Embodied Perceptions: Diversitätssensible Visualisierung von Körperdaten
Das FEMtech-Forschungsprojekt Embodied Perceptions entwickelt diversitätssensible Konzepte, um subjektive Symptome wie Schmerz über anpassbare 3D-Visualisierungen dokumentierbar und kommunizierbar zu machen.

Herausforderung: subjektive Symptome sichtbar machen
Datenvisualisierungen sind im Gesundheitsbereich von wachsender Bedeutung. Physiologische Daten wie Blutdruck lassen sich über Tracking-Geräte messen. Für subjektive, also nur für Betroffene wahrnehmbare Symptome wie Schmerzen, Juckreiz oder Empfindungsstörungen gibt es dagegen nur eingeschränkte Möglichkeiten der Visualisierung. Die Kommunikation darüber ist herausfordernd und von Hierarchien aufgrund von Geschlecht, Alter, Herkunft und sozialer Schicht geprägt. In der Praxis erfolgt die Erfassung meist mit papierbasierten, männlich und muskulös dargestellten Körperbildern, was Exklusionsprozesse befördert und zu einer lückenhaften Erfassung von Gesundheitszuständen führen kann.
Der Beitrag von Embodied Perceptions
Embodied Perceptions untersucht Schmerz und andere Symptome als soziale, interaktive und verkörperte Phänomene und entwickelt darauf aufbauend neue Design- und Interaktionskonzepte. Die RISC Software GmbH bringt ihre Expertise in der interaktiven Visualisierung von Symptomen auf individuell anpassbaren 3D-Avataren ein. Zudem wird erforscht, wie Körperform und markierte Beschwerdebereiche mit KI-Unterstützung aus Fotos auf den Avatar übertragen werden können. So entsteht eine nachvollziehbare Symptomdokumentation, die die Kommunikation zwischen Betroffenen und medizinischem Personal erleichtert.
Vorgehen im Projekt
Das Projekt verfolgt einen interdisziplinären, iterativen Ansatz mit parallel verlaufenden Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Ergänzend zur Analyse des Forschungsstands werden unter anderem narrative Interviews und Umfragen mit Betroffenen geführt, bestehende Dokumentationssysteme und Schmerzassessments untersucht sowie Co-Creation-Workshops durchgeführt. Parallel dazu werden Design- und Interaktionskonzepte für die Symptomdokumentation sowie die technologischen Grundlagen der anpassbaren 3D-Avatare entwickelt. Diese werden in iterativen Labortests mit Nutzerinnen überprüft und weiter verbessert.
Nutzen und gesellschaftlicher Beitrag
Embodied Perceptions trägt zur Entlastung des Gesundheits- und Sozialsystems bei und erhöht Akzeptanz und Verständnis für Betroffene, die sich oft missverstanden und fehldiagnostiziert fühlen. Die diversitätssensible Erfassung von Symptomen über den zeitlichen Verlauf hinweg schärft zudem das Bewusstsein für die Relevanz von Gender bei Konzeption und Erfassung von Symptomen sowie in der Folge bei Diagnose und Therapie.
Das Projekt wird im Rahmen der Ausschreibung FEMtech Forschungsprojekte von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördert.

Projektpartner
Details zum Projekt
- Projekt-Kurztitel: Embodied Perceptions
- Projekt-Langtitel: Diversitätssensible Darstellung und Visualisierung von Körperdaten
- Programm / Ausschreibung: Humanpotenzial, FEMtech Forschungsprojekte 2023
- Projektpartner*innen:
- AIT Austrian Institute of Technology GmbH (Projektkoordination)
- RISC Software GmbH
- Akademie für Altersforschung am Haus der Barmherzigkeit
- SYNYO GmbH
- Laufzeit: 09/2024–02/2027 (30 Monate)
Ansprechperson
Projektleitung
Sophie Kaltenleithner, MSc
Researcher & Developer