Forschungsprojekt LeWaDis

Die Disposition leerer Güterwagen wird derzeit europaweit fast ausnahmslos manuell durchgeführt. Unterstützt wird die manuelle Disposition in den meisten Fällen durch reine Informationssysteme, die in den letzten Jahren entwickelt wurden und den verfügbaren Wagenbestand und die zu disponierenden Aufträge in Listenform darstellen.

Durch die zunehmende Komplexität der Planungsaufgabe und die hohen Anforderungen der Kunden im Hinblick auf Flexibilität und zeitgerechte Bereitstellung der benötigten Wagen stößt die manuelle Disposition zunehmend an ihre Grenzen. Allein die folgenden Aspekte zeigen den dringenden Bedarf eines entscheidungsunterstützenden Dispositionssystems:

  • Bei Rail Cargo Austria müssen zu Spitzenzeiten rund 4.400 Wagen von ca. 15 DisponentInnen täglich disponiert werden.
  • Es sind ca. 1.500 unterschiedliche Wagengattungen zu berücksichtigen. In den Bestellungen sind meist auch mehrere mögliche Ersatzgattungen angegeben, falls die gewünschte Wagengattung nicht bereitgestellt werden kann.
  • In den letzten Jahren wurden sehr komplexe Regelungen auf europäischer Ebene definiert. Diese ermöglichen einerseits die Disposition eigener Wagen in fremden Produktionsgebieten. Andererseits wird dadurch die Verwendung fremder Wagen für eigene Kundenaufträge möglich.

In einem vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie im Rahmen des Programms IV2Splus geförderten F&E-Projekt entwickelte RISC Software in einem Konsortium mit Logistikum.Steyr, Rail Cargo Austria und OnTec einen praxistauglichen Software-Prototyp zur (Teil-)Automatisierung der Leerwagendisposition.
Konkret wurde ein Optimierungsalgorithmus zur Leer-wagendisposition entwickelt, der auf einem rollierenden Planungsansatz beruht. Die wesentlichsten Zielkriterien aus Kunden- und Unternehmenssicht (wie z.B. Vermeidung verspäteter/verfrühter Wagenbereitstellung, Minimierung der Leerwagenkilometer, -fahrzeit, -umstellvorgänge) können gezielt gewichtet bei der Optimierung berücksichtigt werden.

In der Menge der für die Disposition relevanten Wagen werden nicht nur die in der manuellen Disposition betrachteten Wagen berücksichtigt. Zusätzlich werden die Zeitpunkte und die Orte der zukünftig (in den nächsten Tagen) verfügbaren Wagen anhand der realen Transportkettenplanung und des realen Fahrplans vorausberechnet und in die Optimierung miteinbezogen.

Da häufig erhebliche Auftragsmengen (zum Teil bis zu 50 Prozent) erst sehr kurzfristig, für eine rechtzeitige Bereit-stellung von Leerwagen jedenfalls zu spät von den Kunden bekannt gegeben werden, wurde überdies ein Algorithmus zur Berechnung einer Bedarfsprognose entwickelt und in den Prototyp zur (teil-)automatisierten Leerwagendisposition integriert. Dies ermöglicht eine günstige Positionierung der voraussichtlich benötigten Leerwagen auf Basis der vorausberechneten, erwarteten Bedarfe in den einzelnen Regionen.

Die Durchführung einer automatisierten Leerwagen-disposition mit dem entwickelten Optimierungsverfahren für reale Auftrags- und Wagenbewegungsdaten über einen Zeitraum von neun Wochen zeigte, dass eine Teil-Automatisierung der Leerwagendisposition möglich ist und damit ausgezeichnete Ergebnisse (als Vorschläge für die Disponenten) erzielt werden können. 

Foto:iStockphoto



Footer Mobile de

COPYRIGHT © 2016 by
RISC Software GmbH
Softwarepark 35
4232 Hagenberg
Austria
Impressum
Anfahrtsplan